Wenn man Vater wird, beginnt ein Abenteuer, auf das einen keiner wirklich vorbereiten kann.
Da liegen sie plötzlich, diese kleinen Kerle, kommen auf die Welt, machen die Windeln voll, rülpsen einem nach der Milch ins Gesicht und entdecken irgendwann, dass man mit den Händen nicht nur essen, sondern auch ziemlich viel Unsinn anstellen kann. Und während man sie so beobachtet, denkt man manchmal: Das alles habe ich auch einmal gemacht. Nur war ich damals vermutlich genauso überzeugt von mir wie diese kleinen Kerle heute.
Dann werden sie grösser. Sie fallen mit dem Fahrrad hin, stellen in der Schule Dinge an, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt auf solche Ideen kommen, und entwickeln langsam ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie die Welt funktioniert.
Und plötzlich merkt man: Das sind nicht einfach vier Kinder. Das sind vier völlig unterschiedliche Charaktere. Vier eigene Köpfe, vier eigene Wege, vier Persönlichkeiten, die sich entwickeln. Irgendwie gemeinsam und doch jeder für sich.
Als Vater erlebt man das alles aus nächster Nähe. Man freut sich, wenn sie lachen, und es tut einem weh, wenn ihnen etwas weh tut. Man möchte ihnen manches ersparen, weiss aber gleichzeitig, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen müssen. Auch die weniger angenehmen.
Bei meinen vier Jungs war das Leben nicht immer einfach. Mit zwei verschiedenen Müttern, die mit manchem selbst zu kämpfen hatten, suchten die Jungs ihre Sicherheit oft stärker bei mir. Und ich versuchte, ihnen diese Sicherheit zu geben – neben meinem Beruf, mit vier eigenen Köpfen im Haus und einem Alltag, der sich zeitweise eher nach 200 Prozent als nach einem normalen Leben anfühlte.
Ich bin schliesslich alte Schule. Nicht unbedingt der Typ, der jedes Problem zuerst in Watte packt und dann eine ausführliche Gefühlsanalyse darüber veranstaltet. Manchmal musste man einfach schauen, dass der Laden lief.
Und dann kam die Pubertät.
Wowww!
Vier Jungs, die langsam erwachsen werden, aber noch längst nicht immer wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollen. Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten, grosse Pläne und gelegentlich die feste Überzeugung, dass der eigene Vater von gewissen Dingen nun wirklich keine Ahnung hat.
Was soll ich sagen? Vielleicht hört die Pubertät bei Männern tatsächlich nie ganz auf. Sie wird höchstens etwas besser getarnt.
Es gab anstrengende Zeiten. Für mich ganz sicher. Für die Jungs vermutlich ebenso. Ich habe nicht immer alles richtig gemacht, und wahrscheinlich hätten wir uns gegenseitig gelegentlich gern auf den Mond geschossen.
Aber wir sind da durchgekommen.
Und heute gibt es diese Momente, die eigentlich gar nichts Besonderes sind und gerade deshalb so wertvoll werden.
Wir sitzen zusammen. Jeder erzählt etwas aus seinem Leben. Man hört zu, lacht, diskutiert, und manchmal schaut man die eigenen Söhne an und merkt, dass aus diesen kleinen Kerlen längst Männer geworden sind.
Jeder geht seinen eigenen Weg. Der eine so, der andere anders. Sie haben ihre Stärken, ihre Eigenheiten, ihre Vorstellungen und ihre Baustellen. Sie müssen nicht gleich sein, nicht denselben Weg gehen und auch nicht immer meiner Meinung sein.
Und wenn ich sie so erlebe, denke ich: Jungs, ihr könnt wirklich stolz auf euch sein.
Hammer, was aus euch geworden ist!
Auch unser Jüngster, ein ganz eigener kleiner Sonnenschein, der längst dabei ist, seinen Platz in der Welt zu finden. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte jeder von ihnen auf seine Art etwas Sonniges. Jeder hat mir andere Seiten des Lebens gezeigt, jeder hat mich auf seine Weise gefordert und jeder hat etwas mitgebracht, das es nur bei ihm gibt.
Manchmal muss ich deshalb schmunzeln. Ich war immer der Meinung, dass ich als Vater meinen Jungs das Leben erklären, ihnen etwas beibringen und sie auf ihren Weg vorbereiten sollte.
In Wirklichkeit haben sie mir wahrscheinlich mindestens genauso viel beigebracht.
Sie haben mir gezeigt, dass man nicht alles wissen muss, um Vater zu sein. Dass Geduld nicht unbedingt meine grösste Stärke sein muss, um sie trotzdem lernen zu können. Dass man auch mit einem etwas kantigen Charakter lieben kann. Und dass vier Kinder, die man durchs Leben begleiten darf, einen selbst verändern, ob man das nun geplant hat oder nicht.
Ich bin froh, dass sie nicht einfach so geworden sind wie ihr Vater. Nicht, weil ich mich für einen schlechten Kerl halte, sondern weil sie ihre ganz eigenen Menschen geworden sind. Mit ihren eigenen Stärken, ihrem eigenen Denken und ihrer eigenen Art, durchs Leben zu gehen.
Und genau das ist doch das Schöne daran.
Man bringt Kinder nicht auf die Welt, damit sie einmal eine Kopie von einem selbst werden. Man begleitet sie, gibt ihnen nach bestem Wissen und Gewissen etwas mit, macht Fehler, versucht es beim nächsten Mal besser und hofft, dass sie ihren Weg finden.
Meine vier Jungs sind dabei, genau das zu tun.
Und wenn wir dann zusammensitzen, zufrieden sind, miteinander reden und lachen, dann weiss ich, dass es diese Momente sind, die im Leben wirklich zählen.
Keine grossen Reden. Keine Heldengeschichten. Kein perfektes Vatersein.
Einfach vier Söhne, die ihren Weg gehen, und ein Vater, der manchmal zurückschaut, den Kopf schüttelt, lächelt und denkt:
Meine Güte, was haben wir alles zusammen erlebt.
Und dann kommt dieser Gedanke, der schöner ist als jede grosse Lebensweisheit:
Gut, dass es euch gibt, Jungs. Ihr habt mein Leben nicht nur ausgefüllt. Ihr habt es bereichert.
Und wenn ich heute noch einmal einen dieser kleinen Kerle mit voller Windel, Milchgeruch und einem Rülpser mitten ins Gesicht vor mir hätte, würde ich wahrscheinlich wieder denken:
Na wunderbar. Das kann ja heiter werden.
Und ich hätte recht behalten.
Nachtrag – es ist erstaunlich wie verschieden das sie sind, und doch schauen sie zueinander in einer Art da könnten Erwachsene viel lernen.
Bild von Onkel Ramirez auf Pixabay





