Mein Arbeitsleben führte mich über viele Jahre quer durch Europa. Als internationaler Chauffeur für Schwer- und Spezialtransporte war ich mit überbreiten und überhohen Maschinen, Traktoren und anderen schweren Geräten unterwegs. Italien, Frankreich, Spanien, die Beneluxländer, Holland, Deutschland und Österreich gehörten zu meinem Alltag.
Ich lernte Europa nicht aus dem Reisekatalog kennen, sondern von der Fahrerkabine aus. Von Autobahnen, Pässen und engen Strassen, von Industriegebieten, Zollstellen und Hafenanlagen. Rotterdam und Amsterdam waren nicht einfach Orte auf der Landkarte, sondern Plätze, an denen ich wartete, manchmal stundenlang oder über Nacht, bis es endlich weiterging.
Geschlafen wurde dort, wo es gerade möglich war: in einer Hafenanlage, irgendwo in einem Industrieviertel oder auf einem Autobahnparkplatz. Die Fahrerkabine war mein Arbeitsplatz und oft genug auch mein Schlafzimmer. Man gewöhnte sich daran, unterwegs zu sein, mit wenig Schlaf auszukommen und den Alltag zwischen Fahren, Warten und Organisieren zu verbringen.
Bei Schwer- und Spezialtransporten musste man den Kopf beisammenhalten. Jeder Meter konnte entscheidend sein, jede enge Kurve eine Herausforderung. Und dann waren da noch die Zollstellen. Fehlten Dokumente oder stimmte etwas nicht, konnte plötzlich alles stillstehen. Man musste die Nerven behalten, Lösungen finden und mit der Tatsache umgehen, dass man es vielleicht nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen würde.
Das war kein Bürojob, bei dem man morgens anrufen und sagen konnte: «Chef, heute komme ich nicht.»
Wenn man mit einem Schwertransport unterwegs war, musste der Auftrag erledigt und der Lastwagen wieder nach Hause gebracht werden. Ich bin trotz gravierender Verletzungen gefahren, mit gerissenen Bändern tausend Kilometer zurück. Ich habe Fieber und Grippe unterwegs bekämpft und mich hinter das Steuer gesetzt, obwohl mein Körper eigentlich Ruhe gebraucht hätte.
Das war die Realität meines Berufslebens. Man konnte nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Es gab Verpflichtungen, Termine, Transporte und Verantwortung. Also musste man funktionieren, auch dann, wenn es einem schlecht ging.
Doch neben diesem Beruf gab es noch eine zweite, mindestens ebenso anspruchsvolle Aufgabe: Ich zog meine Jungs gross.

Mit der Zeit veränderte ich deshalb mein Arbeitsleben. Aus den langen Auslandstouren mit vielen Übernachtungen wurden Einsätze, bei denen ich höchstens noch eine Nacht auswärts blieb. Ich wollte meine Jungs nicht nur am Telefon hören oder gelegentlich sehen. Ich wollte zu Hause sein und an ihrem Leben teilnehmen.
Also versuchte ich, beides miteinander zu vereinbaren. Ich arbeitete, fuhr meine Transporte, organisierte und kümmerte mich um die Familie. Wenn ich alles zusammenzähle, fühlte es sich manchmal an, als hätte ich beinahe zweihundert Prozent leisten müssen. Nach der Arbeit war eben nicht einfach Feierabend. Zu Hause wartete der nächste Teil meiner Verantwortung.
Natürlich ging das nicht immer ohne Belastungen. Es gab Tage, an denen ich müde, krank oder verletzt war und trotzdem weitermachte. Nicht weil ich keine Grenzen hatte, sondern weil ich meine Verpflichtungen ernst nahm und meine Jungs auf mich warteten.
Zum Glück musste ich nicht jede Schwierigkeit allein bewältigen. Ich hatte zwei unglaubliche Freunde, mit denen wir auch die grössten Hürden irgendwie überwunden haben. Und mein ältester Sohn unterstützte mich ebenfalls immer wieder. Das bedeutete mir viel. Gerade wenn man gewohnt ist, Verantwortung zu tragen, weiss man Menschen zu schätzen, auf die man sich verlassen kann.
So bestand mein Leben aus zwei Welten: auf der einen Seite schwere Transporte, endlose Kilometer, einsame Nächte, Zollprobleme und körperliche Strapazen. Auf der anderen Seite meine Familie, meine Jungs und der Wunsch, für sie da zu sein.
Wenn ich heute zurückblicke, denke ich an die vielen Strassen Europas, an die Nächte in der Kabine, an die schwierigen Situationen an den Grenzen und an die Fahrten, die ich trotz Schmerzen und Krankheit hinter mich brachte. Aber ich denke genauso an meine Freunde, an die Unterstützung meines ältesten Sohnes und an all das, was mich immer wieder antrieb.
Ich habe in meinem Berufsleben viele schwere Maschinen durch Europa transportiert. Aber die eigentliche Herausforderung bestand darin, neben dieser Arbeit meine Jungs grosszuziehen und ihnen ein Vater zu sein, auf den sie zählen konnten.
Mein Beruf führte mich durch ganz Europa. Meine Verantwortung aber endete nicht mit dem letzten Kilometer. Und egal, wie weit ich unterwegs war: Mein Ziel war immer, wieder nach Hause zu kommen – dorthin, wo meine Jungs auf mich warteten.





